BdV - Bund der Vertriebenen

Liebe Besucherinnen und Besucher,

in der Geschichte gibt es Ereignisse, die unsere gesellschaftliche Identität entscheidend mitgeprägt haben und dennoch wenig öffentliche Beachtung finden. Die Ursache dafür ist oft, dass sie mit anderen Ereignissen zusammenhängen, deren historischer „Fußabdruck“ noch tiefer ist. Für dieses Phänomen hat Bundespräsident Joachim Gauck den Begriff „Erinnerungsschatten“ geprägt.

 

Deportation, Zwangsarbeit sowie Flucht und Vertreibung der Deutschen gegen Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch Geschichte und Kultur der deutschen Ostgebiete und der Siedlungsgebiete Deutscher im östlichen Europa haben viel zu lange in einem solchen Erinnerungsschatten gelegen. Dies hat der Bundespräsident in seiner Festrede zum Tag der Heimat am 3. September 2016 in der Urania Berlin erneut bekräftigt. Gleichzeitig hat er gewürdigt, dass sich der Bund der Vertriebenen seit langem dafür einsetzt, die gesamtgesellschaftliche Relevanz dieser Themen sichtbar zu machen und somit Licht in diesen Schatten zu bringen.

 

Die damaligen Ereignisse haben die individuelle Identität der Betroffenen tief verletzt. Traumata, die zum Teil generationenübergreifend bis heute nachwirken, waren die Folge. Die wahrheitsgemäße Erinnerung an dieses Schicksal ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Heilung dieser Verletzungen. Gleichermaßen ging es schon seit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950 immer auch darum, anderen das selbst erlittene Unrecht zu ersparen, Vertreibungen weltweit zu ächten und wenn möglich zu verhindern.

 

Das Kulturerbe der Vertriebenen, Aussiedler und ihrer Vorfahren wiederum ist integraler und lebendiger Bestandteil unserer gesamtdeutschen kulturellen Identität. Nach wie vor engagieren wir uns im Bund der Vertriebenen dafür, dass es erhalten, weiterentwickelt und wahrgenommen wird – so wie dies auch der gesetzliche Auftrag vorsieht.

 

Da der Schutz von Identität zu den Kriterien einer modernen Menschenrechtspolitik gehört, hat die bereits jahrzehntewährende Arbeit unseres Verbandes in all seinen Gliederungen also auch große menschenrechtliche Relevanz. Daher freue ich mich über jeden Mitstreiter, dem daran gelegen ist, den von Bundespräsident Gauck thematisierten Erinnerungsschatten weiter auszuleuchten.

 

Ihr
Dr. Bernd Fabritius MdB