BdV - Bund der Vertriebenen

Liebe Besucherinnen und Besucher,

viele Zeitzeugen berichten davon, dass die jahrelang durchlittene Zwangsarbeit und Lagerhaft ihre persönliche Identität nachdrücklich verändert, wenn nicht sogar zerstört hat. Unnachahmlich bringt Herta Müller diese Selbstentfremdung in ihrem mit dem Literaturnobelpreis prämierten Buches „Atemschaukel“ auf den Punkt, als sie ihre Hauptfigur Leopold Auberg sagen lässt: „Es war das große innere Fiasko, dass ich jetzt auf freiem Fuß unabänderlich allein und für mich selbst ein falscher Zeuge bin.“

 

„Identität schützen – Menschenrechte achten“ hat der Bund der Vertriebenen zum diesjährigen Leitwort bestimmt. Der leidvolle Weg so vieler zur Zwangsarbeit verschleppter Deutscher ist einer der vielfältigen Hintergründe dafür.

 

Umso positiver wirkt die Nachricht, dass die noch lebenden Betroffenen nun endlich die offizielle Anerkennung ihres Schicksals und eine damit verbundene, symbolische finanzielle Wiedergutmachung beantragen können – gerade auch für viele Deutsche aus Russland, die am 28. August 2016 an den 75. Jahrestag des Stalin-Erlasses zur Deportation der Wolgadeutschen erinnern werden. Für diese Entschädigung haben wir lange Zeit gemeinsam auf allen Ebenen gearbeitet. Wir sind dem Deutschen Bundestag und auch der Bundesregierung dankbar, dass sie ermöglicht werden konnte. Dies zeigt, wie sehr das Verständnis für das Sonderschicksal deutscher Zwangsarbeiter gewachsen ist.

 

Mit dem 3. September 2016 steht auch das Datum des zentralen Festaktes zum Tag der Heimat in der Berliner Urania unmittelbar bevor. Neben einigen weiteren Gedanken zu unserem Leitwort stehen dort traditionell das Opfergedenken sowie die Erinnerung an die materiellen und immateriellen Verluste von Flucht und Vertreibung im Zentrum. Außerdem werden wir uns das lebendige, reiche kulturelle Erbe der Vertriebenen und Aussiedler vergegenwärtigen. Wurzeln und Zukunft unserer Identität werden also gleichermaßen Thema sein. Dass wir gerade in diesem Jahr unser Staatsoberhaupt, Bundespräsident Joachim Gauck, als Festredner begrüßen dürfen, empfinde ich als große Ehre und hoffe auf wegweisende Impulse in seiner Ansprache.

 

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Fabritius MdB