BdV - Bund der Vertriebenen
BDV

Liebe Besucherinnen und Besucher,

im Bundesgesetzblatt vom 14. Oktober 2014 findet sich auf Seite 1599 die „Bekanntmachung über den Beschluss der Bundesregierung zur Einführung eines jährlichen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ vom 6. Oktober, gezeichnet von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Der Gedenktag wird auf den 20. Juni festgelegt. Mit der Veröffentlichung wurde der Beschluss amtlich und der Gedenktag somit erstmalig am 20. Juni 2015 festlich begangen.

 

Die Bundesregierung lud dazu nach Berlin. Mit dem Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums fand man für den Festakt einen eindrucksvollen Ort, mit den geladenen Gästen – unter ihnen viele Zeitzeugen – einen würdigen Rahmen. Bundespräsident Joachim Gauck hielt eine bewegende Rede, als deren roter Faden sich das Gedenken an die deutschen Opfer der Vertreibungen und der Flucht vor 70 Jahren herauskristallisierte. „Zum ersten Mal gedenkt Deutschland an einem offiziellen bundesweiten Gedenktag jener Millionen von Deutschen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges zwangsweise ihre Heimat verloren.“ Mit diesen Worten bestätigte der Bundespräsident, dass nunmehr diese langjährige Forderung des BdV, Deutschland möge seiner Opfer angemessen und empathisch gedenken, umgesetzt wurde. „Mit welcher Begründung können wir den eigenen Müttern und Großmüttern jene Empathie verweigern, die wir den vergewaltigten Frauen in Bosnien zu Recht entgegenbringen? Die Erfahrung aktuellen Unrechts hat dazu beigetragen, dem weit Zurückliegenden mit neuer Empathie zu begegnen“, so der Bundespräsident weiter. Wir dokumentieren seine Rede im Wortlaut in unserem neuen DOD.

 

Gleichzeitig verwehrt er mit seiner klaren Botschaft den geschichtsvergessenen Kreisen in Deutschland, die Meinungs- oder gar Deutungshoheit über den Festakt und den gesamten Gedenktag zu übernehmen. Dass im Nachgang des Festaktes der Tenor der medialen Berichterstattung trotzdem überwiegend die aktuelle Flüchtlingsproblematik in den Vordergrund rückt, ist nicht nur Ausdruck eines selektiven Journalismus‘, sondern konterkariert auch die bemerkenswerte Aussage des Bundesinnenministers, „dass wir als Land und Gesellschaft erwachsen geworden sind, auch im Umgang mit dem Thema Heimatvertriebene“.

 

Im Namen aller deutschen Heimatvertriebenen, Zwangsarbeiter, Aussiedler und Spätaussiedler, die noch bis 1989 unter massiven Repressalien in den Heimatländern gelitten haben, danke ich der Bundesregierung dafür, den Gedenktag beschlossen, eingesetzt und würdig begangen zu haben. Diesen Gedenktag war Deutschland den eigenen Opfern schuldig!

 


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Fabritius MdB