Ehrenamt in der Presse/Öffentlichkeitsarbeit
Auf dieser Seite finden Sie Berichte über das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter in den Gliederungen des Verbandes
Pressemitteilung des hessischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler:
Wiesbaden, 13.11.2006
Integrationspreis 2006 geht an den Kreisverband Limburg-Weilburg des Bundes der Vertriebenen
Landesbeauftragter Friedrich hielt die Laudatio
Wiesbaden. Der Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung
für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich, hat sich
sehr erfreut darüber gezeigt, dass der Kreisverband Limburg-Weilburg des
Bundes der Vertriebenen für seine erfolgreiche Integrationsarbeit für
Spätaussiedler den Integrationspreis 2006 der Hessischen Landesregierung
verliehen bekommen hat. In seiner Laudatio hat Landesbeauftragter Friedrich
folgendes zum Ausdruck gebracht:
"Es ist mir eine Freude, die Laudatio für den BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg
zum Integrationspreis 2006 zu halten. Die Jury hat bei Ihrer Entscheidung nicht
nur dieses einzelne Projekt, sondern die ehrenamtliche Arbeit des Bundes der
Vertriebenen insgesamt ausgezeichnet. Das außerordentlich breit gestreute
Hilfsangebot mit einer bestmöglichen Vernetzung ist herausragend. Es wurden
wirkungsvoll integrative Maßnahmen entwickelt. Und es wurden Wege beschritten,
dass Spätaussiedler Vertrauen schöpften und diese Angebote annahmen.
Als Beauftragtem der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler ist mir die Betreuungsarbeit des BdV-Kreisverbandes Limburg-Weilburg und seiner Protagonisten Franz Krotzky und Dr. Roland Wippler persönlich wohlbekannt.
Seit vielen Jahren betreuen beiden Herren mit einem kleinen Helferkreis
ehrenamtlich die Spätaussiedler im Kreisgebiet. Die Aktivitäten sind
breit gefächert. Es werden z.B. ergänzende Sprachkurse auf privater
Ebene ebenso wie Hilfen zur Berufsfindung, Ausbildung und Arbeit angeboten.
Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Ämtern und Stellen im Landkreis ist
problemlos, weil man sich kennt und gegenseitig hilft. Auch bei Hilfen zur Wohnraumbeschaffung
gibt es Einvernehmen und kein Konkurrenzdenken. Eine engagierte Informations-
und Öffentlichkeitsarbeit ergänzt diese Integration.
Sehr konkret und anschaulich kann diese Arbeit an einigen Beispielen aufgezeigt
werden:
Das 1. Beispiel:
Man beobachtet in dem Wohnheim in Weyer eine junge Frau, die aus ihrem Wohnheimfenster
die Umgebung mit einer alten Kirche malt. Sie hat wenig Farbe, nicht die entsprechenden
Pinsel, aber es entsteht ein wunderschönes Bild. Diese Beobachtung war
für die BdV-Betreuer Anlass, ein Sortiment von Farben, Papier und Pinseln
zu besorgen, damit die junge Frau ihre künstlerischen Fähigkeiten
nutzen konnte Es entstehen zahlreiche sehr eindrucksvolle Bilder. Eines ziert
das Büro des LBHS. Die so entstandenen Werke werden öffentlich gemacht.
In der Kreissparkasse werden diese Werke ausgestellt, der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht und auch verkauft. Es wird öffentlich, dass Spätaussiedler
auch große künstlerische Befähigungen mitbringen. Dies ist effektive
Werbung für Akzeptanz, eine Voraussetzung für erfolgreiche Integration.
Ein 2. Beispiel aus der praktischen Arbeit:
Bei einer Zusammenkunft mit Schulleitungen, Lehrern, Vertreter der Kirchengemeinde,
berichten russlanddeutschen Eltern von ihrem Schicksal und Kinder von ihrer
früheren Heimat. Damit mit Betroffenheit bei allen Beteiligten die Leiden
der zu uns gekommenen Aussiedler sichtbar. Auch die Schüler profitieren
davon, weil auch sie über ihr Schicksal im Rahmen des Unterrichts berichten
können und ernst genommene Mitschüler werden. Dies ist erfolgreiche
Integration in der Schule.
Ein 3. Beispiel:
Die Nikolaus- und Weihnachtsfeiern mit Spätaussiedlern und Einheimischen
sind schon legendär. Das besondere der Arbeit des BdV besteht darin, dass
man zu solchen Weihnachtsfeiern nicht nur Aussiedler, sondern auch die einheimischen
Bevölkerung einlädt. Das Programm wird sowohl von der einheimischen
Bevölkerung als auch von Aussiedlern gestaltet. Krippenspiele von Russlanddeutschen
wie in der alten Heimat werden vorgeführt. Die Kindersprache des Herkunftslandes
wirkt plötzlich nicht mehr fremd. So lernt man sich kennen und auch mit
Respekt achten. Achtung vor einander ist Voraussetzung von Integration.
Ein 4. Beispiel:
Eine junge russlanddeutsche Familie sucht Arbeit. Man kann entsprechende Tätigkeit
vermitteln. Doch es muss auch eine entsprechende Wohnung gefunden werden. Nach
vielen Telefonaten war eine entsprechende Wohnung gefunden und der Vater konnte
diesen Arbeitsplatz annehmen und damit einen guten Weg für eine Eingliederung
der Familie beschreiten. Im wahrsten Sinn des Wortes ist dies Integration als
bewältigte Patenschaftsaufgabe.
Der Preisträger hat sich um das gesellschaftliche Umfeld gekümmert. Wer sich so um Einzelschicksale kümmert, spürt sehr schnell, wo staatliche Regelungen Lücken aufweisen. Dass z.B. Spätaussiedler im Gegensatz zu anderen
Zuwanderungsgruppen keine Fahrtkostenerstattung für Fahrten zu Sprachkursen erhalten und Familienangehörige von der Sprachförderung ausgeschlossen waren, war für die heutigen Preisträger Grund zu intensiven Interventionen. Die Bundesregierung hat vor 3 Wochen ein 7. Änderungsgesetz zum BVFG beschlossen, in dem diese Mängel beseitigt werden. Ein sichtbarer Erfolg von praxisbezogener Integrationsarbeit.
Dies sind nur einige wenige Beispiele, die genannt werden sollen. Sie dokumentieren, wie man mit Engagement oft hilflosen Aussiedlern bei der Bewältigung praktischer Fragen helfen kann.
Mir ist bekannt, dass ehrenamtliche Arbeit von vielen Gruppen des BdV geleistet wird. Doch so umfassend, so intensiv, so wirkungsvoll für den Einzelnen, wie es von den Personen Krotzky und Dr. Wippler im Kreis Limburg/Weilburg geleistet wird, gibt es kaum Beispiele.
Die Frage nach der Motivation wird schnell mit den Lebensläufen beantwortet. Beide wurden als junge Menschen aus ihrer Heimat vertrieben und mussten sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Ebenso wie die Spätaussiedler brauchten sie Menschen, die sie verständnisvoll an der Hand nahmen und ihnen den Weg zeigten. Beide nutzten ihre Chance und packten an beim Wiederaufbau in ihren neuen Wohngemeinden und nutzten ihren beruflichen Weg. Beide haben eine soziale Grundeinstellung und eine Verankerung im christlichen Glauben.
Mit dem Integrationspreis wird dieses ehrenamtliches Wirken im BdV und das Engagement von Einzelpersönlichkeiten zu Recht anerkannt und gewürdigt. Dass der Hauptinitiator vor wenigen Wochen 80 Jahre alt wurde, sei nur am Rande erwähnt. Die Integrationsarbeit im Kreis Limburg-Weilburg durch den BdV wird als beispielhaft zur Nachahmung hervorgehoben."