Zum Tode des früheren Präsidenten der Republik Estland, Lennart Meri, erklärt BdV-Präsidentin Erika Steinbach, MdB:
Mit Lennart Meri verliert der Bund der Vertriebenen einen guten Freund und Fürsprecher. Die freie Welt beklagt den Verlust eines tapferen Streiters für die Menschenrechte.
Die deutschen Heimatvertriebenen sind ihm dankbar für sein mutiges Eintreten für ihre Anliegen. Eingedenk seines eigenen Schicksals – er wurde mit seinen Eltern von den Sowjets nach Sibirien deportiert – fand er dazu deutliche Worte und gab ihnen Mut.
Auf dem Festakt zum 50. Tag der Heimat, an dem der Bund der Vertriebenen ihn mit seiner höchsten Auszeichnung ehrte, bekannte er in seiner Festrede, dass er sich den Heimatvertriebenen zugehörig fühlte. „Ich bin einer von Ihnen“ waren die Worte, die uns allen in Erinnerung geblieben sind.
Unvergessen ist seine Berliner Festansprache zum Tag der deutschen Einheit 1995, in der er u.a. sagte, Estland stehe allen Deutschen offen, die willig seien, von ihrem Recht auf ihre Heimat Gebrauch zu machen. Er mahnte damals die Deutschen, man könne einem Volk nicht trauen, das ständig eine intellektuelle Selbstverachtung vorführe. Wegweisend waren seine Worte, die er wenige Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung und der Öffnung des Ostens sagte: „Bevor wir überhaupt an eine neue Weltordnung denken, brauchen wir vor allem historische Aufrichtigkeit und Objektivität.“
Sein lebenslanger Kampf um die Freiheit seines Landes hat Lennart Meri in die estnische Bürgerrechts- und Unabhängigkeitsbewegung geführt.
Sein Einsatz für das Selbstbestimmungsrecht seines eigenen Volkes führte ihn damals auch zu einer eindeutigen Bewertung der jahrzehntelangen Teilung Deutschlands, die auch die Teilung Europas symbolisierte. Diese zu überwinden und in einem freien Europa sein Selbstbestimmungsrecht auszuüben, war sein lebenslanges Bestreben, dem er bis zu seinem Tode gerecht geworden ist.
Wir trauern um Lennart Meri, unseren Freund, dessen offene Worte wir in unseren Herzen bewegen. Ein standhafter Politiker mit großer Lebenserfahrung hinterlässt eine Lücke, die auf dem politischen Parkett nicht so ohne weiteres geschlossen werden kann.