BdV - Bund der Vertriebenen
< Ansprache zum Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen am 29. August 2015 in der Berliner Urania
09.09.2015 Kategorie: Presse

Erfolgreiche Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat in der Berliner Urania


Verleihung der BdV-Ehrenplakette beim Tag der Heimat (v.l.n.r.): Dr. Bernd Fabritius MdB, Staatssekretär Erhard Weimann (Sachsen), Staatsministerin Emilia Müller MdL (Bayern) und Ministerin Lucia Puttrich (Hessen, © Bund der Vertriebenen, Foto: André Wagenzik).

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB begrüßt den Festredner, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil MdL, beim Tag der Heimat in der Berliner Urania.

Verleihung der BdV-Ehrenplakette beim Tag der Heimat (v.l.n.r.): Dr. Bernd Fabritius MdB, Staatssekretär Erhard Weimann (Sachsen), Staatsministerin Emilia Müller MdL (Bayern) und Ministerin Lucia Puttrich.

Das BdV-Präsidium bei der „Verleihung der Ehrenpräsidentschaft in Abwesenheit“ an Erika Steinbach MdB. Alle Fotos: © Bund der Vertriebenen, Foto: André Wagenzik.

Das vom Bund der Vertriebenen für dieses Jahr ausgerufene Leitwort zum Tag der Heimat „Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute“ zog sich wie ein roter Faden durch die zentrale Festveranstaltung, zu der der BdV am 29. August 2015 in den Humboldt-Saal der Berliner Urania eingeladen hatte.

 

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB begrüßte die Anwesenden und eröffnete die Veranstaltung mit einer Würdigung: Erika Steinbach MdB, Fabritius‘ langjährige Amtsvorgängerin, habe die Ziele des BdV mit besonderem Nachdruck verfolgt und den Verband gleichzeitig in die Mitte der Gesellschaft gebracht und dort verankert. Auch ihrem Einsatz sei es zu verdanken, dass die Aussage des diesjährigen Leitwortes über viele politische Grenzen hinweg akzeptiert werde. Dr. Fabritius freute sich daher, Erika Steinbach im Sinne eines einstimmigen Beschlusses der BdV-Bundesversammlung vom 19. Juni 2015 die Ehrenpräsident­schaft des Bundes der Vertriebenen zu verleihen. Da die Geehrte leider aus familiären Gründen kurzfristig nicht anwesend sein konnte, bat der BdV-Präsident als Zeichen der Zusammengehörigkeit unter großem Zuspruch des Publikums das gesamte anwesende Präsidium zu einer Ernennung in Abwesenheit auf die Bühne.

 

Es folgte ein kurzes Grußwort des Justizministers der Republik Ungarn Dr. László Trócsányi. Dieser betonte, das BdV-Leitwort mahne, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten, um sie nicht immer und immer wieder zu machen. In diesem Sinne gestalte Ungarn auch seine Minderheitenpolitik. Aus europäischer Perspektive sei es heute vor allem wichtig, gemeinsam Lösungen für die aktuellen Flüchtlings­probleme zu entwickeln, forderte Trócsányi, der ungarisch sprach und vom Botschafter der Republik Ungarn in Berlin Dr. József Czukor über­setzt wurde.

 

Im Geistlichen Wort und Gedenken nahm der Beauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Fragen der Spät­aussiedler und der Heimatvertriebenen, Kirchenpräsident i.R. Helge Klassohn, unter anderem Stellung zur Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche, die im Jahre 1965 auf den Weg gebracht wurde. Er würdigte das Dokument als wegweisend für die deutsche Ostpolitik, gab aber gleich­zeitig zu bedenken, dass damals zu wenig Rücksicht auf die konkreten Leidenserfahrungen der deutschen Heimatvertriebenen und deren erlittenes Unrecht genommen worden sei.

 

Dem diesjährigen Leitwort entsprechend griff BdV-Präsident Dr. Fabritius in seiner Ansprache auch den vor dem Hintergrund der derzeitigen Flüchtlingssituation immer wieder aufgebrachten Vergleich zwischen Flucht und Vertreibung damals und heute auf. Natürlich gebe es wichtige Unterschiede: Damals „kamen Landsleute, es kamen Menschen aus demselben Kulturkreis, sie sprachen dieselbe Sprache, beteten trotz unterschiedlicher Konfessionen zu demselben Gott, sie lebten die gleichen Wertvorstellungen.“ Heute hingegen kämen Fremde aus anderen Kulturen. Für diese sei die Ankunft sogar „um ein Vielfaches schwerer“, so wie es daher auch für die aufnehmende Gesellschaft schwerer sei. Fabritius bat die Verbandsmitglieder, aber auch die Gesellschaft insgesamt, „den leidgeprüften Menschen von heute mit noch mehr Empathie zu begegnen, als uns und unseren Müttern und Vätern vor 70 Jahren zuerst entgegengebracht wurde.“ Im Sinne der in Deutschland gelebten Werte sei es nötig, zunächst allen Kommenden menschlich zu begegnen. Gleichzeitig müsse jedoch „eine nachhaltige Bekämpfung der Vertreibungsursachen und der Vertreiber“ erfolgen. Um das Leid dennoch vorhandener Opfer von Flucht und Vertreibung zu bewältigen, brauche es europäische Solidarität. Außerdem sei es wichtig, zwischen Vertreibungsopfern und Menschen, „die sich selbst, aus meist wirtschaftlichen Gründen, für eine freiwillige Migration entscheiden“, klar zu differenzieren.

 

Mit der Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen wurden in diesem Jahr die Bundesländer Bayern, Hessen und Sachsen ausgezeichnet. Dr. Fabritius würdigte die Länder dafür, dass sie noch vor der Bundes­regierung mit ihren landeseigenen Gedenktagen dokumentiert hätten, dass in ihren Ländern die Bewahrung und Aufarbeitung der Geschichte auch der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge eine gesamt­gesellschaftliche Aufgabe ist. Für Bayern nahm Emilia Müller MdL, Staatsministerin für Soziales und Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen, die Ehrenplakette entgegen, für Hessen Lucia Puttrich, Ministerin für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund, und für Sachsen Erhard Weimann, Staatssekretär in Berlin und Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund. Staatsministerin Emilia Müller dankte namens der drei Länder für die Ehrung. Sie verdeutlichte, dass der mahnende Blick auf die Vergangenheit in der Gedenktagsinitiative von Beginn an mit einem Auftrag für die Zukunft verbunden gewesen sei: Vertreibungen welt­weit zu ächten. Darüber hinaus würdigte sie die deutschen Heimat­vertriebenen und Aussiedler für deren Leistung beim Wiederaufbau Deutschlands sowie deren Einsatz für die Verständigung mit den europäischen Nachbarn.

 

Die Festrede hielt in diesem Jahr der Niedersächsische Minister­präsident Stephan Weil MdL. Er erklärte unter anderem, es bestehe seit 70 Jahren „eine ausgesprochen enge Verbindung zwischen dem Land Niedersachsen und den Vertriebenen“. Mehr als 1,8 Millionen Menschen seien nach dem Zweiten Weltkrieg in das Gebiet des damals noch nicht gegründeten Bundeslandes gekommen, „und damit mehr als ein Viertel der gesamten Bevölkerung.“ Es sei „völlig ausge­schlos­sen, sich den Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland ohne die Aufbauleistung dieser Menschen vorzustellen. Und das wiegt umso schwerer, als die Vertriebenen ja gleichzeitig auch noch das Trauma ihrer Vertreibung bewältigen und neue Wurzeln schlagen mussten“, erinnerte Weil. Gleichzeitig forderte der Ministerpräsident mehr Engagement für die heutigen Opfer von Flucht und Vertreibung. „In diesen Menschen spiegelt sich dieselbe Not wider, die vor 70 Jahren auch viele Deutsche erlitten haben“, sagte er. „Die historischen Bedingungen mögen unterschiedlich sein, die Not der Menschen ist vergleichbar“, so Weil weiter. Mitmenschlichkeit und Solidarität mit Flüchtlingen seien Lehren aus der deutschen Vergangenheit.

 

Bei der Kranzniederlegung und dem würdigen Totengedenken am Mahnmal der deutschen Heimatvertriebenen, der „Ewigen Flamme“ auf dem Berliner Theodor-Heuss-Platz, sprachen außer BdV-Präsident Dr. Fabritius auch der Berliner Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Staatssekretär a.D. Rüdiger Jakesch sowie der Protokoll­chef des Berliner Senats Dr. Volker Pellet.