BdV - Bund der Vertriebenen
< Begrüßungsrede zum BdV-Jahresempfang am 12. April 2016 in Berlin
15.04.2016 Kategorie: Presse

Bundeskanzlerin dankt deutschen Heimatvertriebenen

BdV-Ehrenplakette an Großdechant Prälat Franz Jung verliehen


BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius überreicht Großdechant Prälat Franz Jung die Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen.

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius begrüßt die Gäste des Jahresempfanges, darunter Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (Ehrengäste 1. Reihe v.l.n.r.: BdV-Vizepräsident-Stephan Rauhut, BdV-Vizepräsident Reinfried Vogler, Margarete Ziegler-Raschdorf, Staatsministerin Lucia Puttrich, BdV-Vizepräsident Albrecht Schläger, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB, SFVV-Direktorin Dr. Gundula Bavendamm, Klaus Brähmig MdB, Bundesminister Christian Schmidt MdB, BdV-Vizepräsident Christian Knauer).

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel spricht das Grußwort (alle Fotos: Bildschön).

„Alles in allem haben wir heute eine friedliche Situation in Deutschland und in Europa. Wir spüren aber auch, dass wir jeden Tag wieder neu dafür arbeiten müssen, dass das so ist. Ich denke, wer einmal seine Heimat verloren hat und vertrieben wurde, der wird dieses Gespür vielleicht noch intensiver haben als die, die eine solche Erfahrung nicht machen mussten. Deshalb bitte ich Sie: Seien Sie eine deutliche Stimme in den täglichen Diskussionen. Danke für das, was die Vertriebenen für unser Land getan haben.“

 

Dank, Anerkennung und Mahnung, wie sie aus diesen schließenden Sätzen deutlich werden, waren die Kerninhalte des Grußwortes von Bundes­kanzlerin Dr. Angela Merkel MdB beim Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen am 12. April 2016 in der Katholischen Akademie in Berlin. Bereits zum neunten Mal war sie der Einladung des Verbandes gefolgt und sprach als Ehrengast vor einem großen Publikum aus Politik, Wirt­schaft, Kirche und Kultur.

 

Anerkennung zollte die Bundeskanzlerin in ihrer Ansprache den deut­schen Heimatvertriebenen insbesondere für deren „Schlüsselrolle im europäischen Dialog“. Die Vertriebenen seien einer der vielen Partner, die sich auch gegen Hindernisse für ein „friedliches und gedeihliches Miteinander der Völker und Nationen“ engagierten. Heimat­verbunden­heit, das damit zusammenhängende Interesse an einer positiven Entwicklung der Heimat und die oft entstandenen, guten Kontakte dorthin ließen die Vertriebenen „zu Brückenbauern in einem Europa“ werden, das „letztlich nur so stark ist, wie es auch einig ist.“ Hieran lasse sich ermessen, wie wertvoll „das vertrauensbildende Wirken der Vertriebenen und ihrer Organisationen“ für Europa sei.

 

„Dafür sind und bleiben wir in der Bundesregierung Ihnen ganz herzlich zu Dank verpflichtet“, betonte Merkel und wies auf die in diesem Zusammenhang ebenso wichtige Bedeutung sowohl der Aussiedler und Spätaussiedler als auch der bis heute in den Heimatgebieten lebenden deutschen Volksgruppen hin.

 

Kurz ging die Bundeskanzlerin auf die derzeit wichtigen vertriebenen­politischen Fragen ein, wie etwa die unlängst vorgestellte Neukonzep­tion der Kulturförderung nach § 96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes, die weitere Arbeit der Bundesstiftung „Flucht, Ver­treibung, Versöhnung“ sowie die beschlossene Entschädigung ziviler deutscher Zwangsarbeiter, für die sie eine zügige Umsetzung zusagte.

 

Den Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation verband die Kanzlerin mit der Erinnerung an die Ereignisse von Flucht und Vertreibung der Deut­schen am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg: „Ohne Zweifel sind die Gründe, der kulturelle Hintergrund und die Hoffnungen der Men­schen, die heute ihre Heimatländer verlassen und in Europa Zuflucht suchen, andere als die der deutschen Heimatvertriebenen vor rund 70 Jahren. Das Verbindende aber liegt in der Erfahrung, alles zurückzulas­sen und einen Weg ins Ungewisse zu gehen.“ Die Vertriebenen hätten nach dem Krieg „einen bedeutenden Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands in West und Ost geleistet“ und das Land zu einer in vielerlei Hinsicht erfolgreichen, weltoffenen und selbstbewussten Nation gemacht.

 

Integration, so Merkel, sei „stets auch eine Frage des gegenseitigen Nehmens und Gebens.“ Es gelte, Hilfe zu leisten und über Spracher­werb und berufliche Qualifikation Teilhabe zu ermöglichen, gleichzeitig aber Verständnis und Respekt für unsere Werte einzufordern. Das hier Gelernte könne auch all jenen helfen, die in ihre Heimat zurückkehren würden, sobald es die Situation erlaube. Wie eingangs erwähnt, bat die Bundeskanzlerin die Vertriebenen ausdrücklich, sich aufgrund ihrer eige­nen, wenn auch unterschiedlichen Erfahrungen von Heimatverlust und Ankunft noch stärker an der gesellschaftlichen Debatte zu beteiligen.

 

Bereits zuvor hatte BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB in seiner Begrüßung der Gäste herausgestellt, dass die derzeitigen Heraus­forderungen in einer gemeinsamen europäischen Kraftanstrengung an­genommen werden müssten. Die Lehren aus der Vergangenheit erforderten es, „sich einer Empathie für das Leid der heutigen Ver­triebenen und Flüchtlinge nicht zu verschließen“ und Menschlichkeit vorzuleben. Außerdem seien gegenseitiger Respekt sowie Achtung vor der jeweils selbst empfundenen Identität und unserem gesellschaft­lichen Wertekanon geboten, erklärte Fabritius mit einem Hinweis auf das diesjährige Leitwort des BdV „Identität schützen – Menschenrechte achten“. „Gerade uns Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaus­siedlern liegt ein offenes, vereintes Europa der Menschenrechte am Herzen“, sagte der BdV-Präsident und umriss so die Bemühungen des Verbandes seit dessen Gründung.

 

Im Rahmen der Veranstaltung verlieh Dr. Fabritius die Ehrenplakette des BdV an Großdechant Prälat Franz Jung, den ehemaligen Visitator für die Gläubigen und Priester aus der Grafschaft Glatz. Das Leben und Wirken des 79-Jährigen sei seit fast sechs Jahrzehnten darauf aus­gerichtet, „den Vertriebenen geistliche und menschliche Stütze zu sein“, lobte der BdV-Präsident und freute sich über das einstimmige Votum des Präsidiums zu dieser höchsten Auszeichnung des Verban­des. Auch die Bundeskanzlerin würdigte den Großdechanten für dessen deutsch-polnische Verständigungsarbeit im Bewusstsein der eigenen Geschichte. Prälat Jung dankte Dr. Fabritius und dem BdV für die hohe Ehrung, die er ausdrücklich als Auszeichnung aller Vertrie­benen verstehe. Nach wie vor setze er sich für „ein gemeinsames Europa in geschichtlicher Wahrheit“ ein.

 

Prominente Gäste des Empfangs waren in diesem Jahr u.a. Christian Schmidt MdB, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Hartmut Koschyk MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Aus­siedlerfragen und nationale Minderheiten, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland, Emil Hurezeanu, Rumänischer Botschafter in Deutschland, BdV-Ehrenpräsidentin Erika Steinbach MdB, Vorsitzende der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen, Dr. Gundula Bavendamm, neue Direktorin der „Stiftung Flucht, Vertrei­bung, Versöhnung“, Prof. Dr. Horst Möller, ehemaliger Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Klaus Brähmig MdB, Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Heinrich Zertik MdB, Vorsitzender des Netzwerks Aussiedler der CDU, Paul Ziemiak, Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands und Bernard Gaida, Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen.

 

Die Gelegenheit zum persönlichen Gedankenaustausch und konstruktiven Gesprächen wurde von vielen Gästen gern genutzt.