Am heutigen 19. Januar 2026 nehmen in München anlässlich des Ungarischen Gedenktages für die Deportation und Vertreibung der Ungarndeutschen Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, und Dr. Tamás Sulyok, Präsident der Republik Ungarn, gemeinsam an einer Gedenkveranstaltung teil. Hierzu erklärt BdV-Präsident Stephan Mayer MdB:
Deutschland und Ungarn setzen heute in München ein starkes gemeinsames Zeichen: Erinnerung braucht Wahrheit und Mut zum Bekenntnis.
Deutschland steht zu seiner fortwährenden Verantwortung, die sich aus der Singularität des Holocaust ergibt. Mindestens eine halbe Million ungarischer Jüdinnen und Juden waren von der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft betroffen und wurden entrechtet, deportiert und ermordet.
Ungarn wiederum übernimmt seit vielen Jahren Verantwortung für das unter dem Eindruck des Krieges an den Ungarndeutschen verübte Unrecht der Vertreibung: Rund 225.000 Ungarndeutsche mussten zwischen 1946 und 1948 ihre angestammte Heimat verlassen. Aber schon 1990 – unmittelbar nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – distanzierte sich das ungarische Parlament von den Vertreibungen und das Verfassungsgericht annullierte die sogenannten Kollektivschuldgesetze der Nachkriegszeit.
In den folgenden Jahren baten Regierungsvertreter und Parlamentarier die Betroffenen wiederholt um Entschuldigung – erstmals beispielsweise 1995, erneut 2006 bei der Eröffnung eines zentralen Mahnmals auf dem Alten Friedhof in Budaörs (Wudersch) oder 2007 durch die damalige Parlamentspräsidentin Katalin Szili mit einem klaren „Nie wieder!“. Konsequent erfolgte schließlich der Parlamentsbeschluss des Jahres 2012, mit dem der 19. Januar ab 2013 zum staatlichen Gedenktag erhoben wurde.
Diese Haltung im Gedenken spiegelt sich bis heute in einer ungarischen Minderheitenpolitik wider, die gewachsene Vielfalt achtet und staatliche Schutzfunktionen ernst nimmt. Sie erfüllt damit internationale Übereinkommen vorbildlich und ist zur Nachahmung empfohlen.
Das gemeinsame Gedenken der Staatsoberhäupter ist ein eindrucksvolles Signal dafür, wie eng verwoben der europäische Kultur- und Geschichtsraum war – und bis heute ist. Es zeigt auch, dass gemeinsame Erinnerung trotz unterschiedlicher nationaler Geschichtsbilder gelingen kann, und ist zugleich Maßstab dafür, wie Minderheitenschutz in Europa verantwortungsvoll gestaltet werden sollte.

